Ich habe Ulysses abonniert, um komfortabler Markdown schreiben zu können. Meine anfängliche Begeisterung hat sich schnell in Ernüchterung gewandelt.


Ich habe vor einiger Zeit ein Ulysses-Abo abgeschlossen, weil mir das Programm eigentlich gut gefällt. Ich hatte es (mal wieder) eine zeitlang getestet und mich dann entschlossen, das Abo abzuschließen. Besonders die Textanalyse hat mich begeistert.

Doch mit der Zeit fielen mir dann doch immer mehr Punkte negativ auf und einige davon müssten eigentlich nicht sein.

Tabellen

Fangen wir mal damit an, dass Ulysses keine Tabellen unterstützt. So gar nicht. Ich weiß, dass Tabellen im Markdown nicht existieren, sondern ihren Einzug erst mit Markdown Extended hatten, aber Ulysses unterstützt auch andere Formatierungen, die nur mit MD Extended kommen.

Als jemand, der viel über technische Themen schreibt und Software dokumentiert, komme ich nicht um Tabellen herum. Ulysses unterstützt mich dabei gar nicht. Im Gegenteil, die „Autokorrektur“ sabotiert mich hier bei der Arbeit mehr, als dass sie hilft.

Selbst wenn ich hier Tabellen anlegen würde, müsste ich sie beim Export alle noch einmal anpassen, weil die Formatierung dann kaputt ist.

Warum das so ist, erschließt sich mir nicht. Selbst mein sehr schlichtes Markdown-Plugin in vscode unterstützt Tabellen und richtet sie sogar dynamisch für mich aus.

Update Ulysses hat bei Twitter angekündigt, dass Tabellen das nächste große Feature sein werden. Ich bin gespannt nd werde dann im Blog darüber berichten.

Copy & Paste

Manchmal habe ich schon Markdowntexte aus anderen Quellen, die ich mit Ulysses weiter bearbeiten möchten, zum Beispiel wenn ich einen Text aus meinem CMS kopiere.

Füge ich diese Texte bei Ulysses ein, zerschießt es alle Links im Markdown. Anstatt das Markdown einfach 1:1 zu übernehmen, macht Ulysses da noch etwas und so gehen beispielsweise alle Links kaputt, weil Ulysses aus:

[mein link](https://maurice-renck.de)

Das hier macht:

[mein link](#)(https://maurice-renck.de)

Das fällt allerdings beim Bearbeiten nicht auf, sondern erst beim erneuten Export. Womit wir beim nächsten Thema sind.

Update Es gibt hierfür eine etwas verschachtelte Lösung. Markdown lässt sich einfügen, indem man über das Kontextmenü nich "Einsetzen" (oder cmd+v) verwendet, sondern den Zusätzlichen Eintrag "Einsetzen aus". Zusätzlich gibt es auch noch "Einsetzen als". Nicht ganz intuitiv, aber vorhanden.

Versteckt in den Menüs gibt es auch eine Möglichkeit markierten Text als Markdown zu kopieren, damit ist folgendes Problem auch etwas besser lösbar. 👍🏻

Export

Leider kann den in Markdown geschriebenen Text nicht einfach aus dem Editor kopieren und z. B. in mein CMS einfügen. Ich bekomme dann halbes Markdown. Es handelt sich dann eher um Plaintext mit ein wenig Markdown drin.

Ich muss immer den Weg über den Export gehen, dort auswählen, dass ich das Geschriebene als „Text“ exportieren möchte und dann noch – hervorragend versteckt – wählen, dass ich Markdown haben will.

Warum so kompliziert?

Vorschau

Ich kann mir meine Texte zwar als HTML exportieren und bekomme so eine Vorschau, würde mir aber eine Livepreview wünschen. Mein kostenloses vscode Plugin kann das, warum Ulysses nicht?

Update: Hier lag ich falsch! Ulysses hat mir bei Twitter geantwortet und mir gezeigt, dass es doch eine Art Live-Preview gibt. Mit cmd+shift+p kann man eine Preview starten und dort z.B. HTML auswählen. Änderungen werden dann quasi live gespiegelt!

https://help.ulysses.app/tutorials/live-preview

Accounts

Ulysses hat ein cooles Feature: Accounts. Hier kann ich Dienste anbinden, Medium z. B. oder wordpress.com, auch eine selbst gehostete WordPress-Seite.

Ich finde das Feature an sich ganz cool und kenne es auch schon von IA Writer. Mir fehlt aber ein Dienst, den IA Writer unterstütz hat, Ulysses allerdings nicht: Micropub. Ein offenes Format zum Veröffentlichen von Beiträgen über eine API.

Dank zahlreicher Plugins lassen sich viele Systeme nachrüsten, wenn sie es nicht sowieso schon unterstützen. Eine Integration in Ulysses würde wahrscheinlich viele User glücklich machen, mich auf jeden Fall. Leider scheint das in absehbarer Zeit kein neues Feature zu werden.

Endegelände

Ulysses ist ein tolles Programm, das sei noch einmal betont. Es macht vieles richtig, ist übersichtlicher als manch anderes Programm und die Textanalyse ist der Hammer.

Aber gerade die fehlende Unterstützung für Tabellen lässt mich regelmäßig verzweifeln und so editiere ich Markdowntexte dann doch wieder in vscode.

Derzeit würde ich mein Abo wohl eher nicht verlängern, aber vielleicht wird die ein oder andere Funktion nach noch nachgerüstet. Schön wäre es, weil ich eigentlich gerne mit Ulysses arbeite.