Wie ich verstummt bin, anstatt zu schreiben

Was bisher geschah


Wie schreibt man, wenn man das Gefühl hat, alles ist auserzählt, alles was man schreibt, ist Mist? Ganz einfach: Man schreibt nicht.


In genau diese Falle bin ich geraten und es hat lange gedauert, bis ich mich befreien konnte. Fast zwei Jahre.

Was genau das los war, erfährst Du ja in der ersten Folge meines neuen Podcasts, der irgendwie sowohl Ursache als auch Resultat meiner Schreibprobleme ist. Ich bin froh, dass er jetzt online ist, es hätte auch anders laufen können.

Y/OUR WEB/SITE

Eigentlich sollte er auch erst ganz anders heißen und inhaltlich anders ausgerichtet sein: "Y/OUR WEB/SITE". Fand ich ganz clever, steckt halt "our web" und "your website" drin und geplant war eine Mischung aus "Wie baut man eine eigene Seite" und "wie halten wir das Netz offen?". Ich hatte viele Ideen und bereits Outlines geschrieben und fing an zu planen:

So sah die Planung aus, die Farben entsprechen thematischen Schwerpunkten, die Zahlen sind Kalenderwochen - und ja wir sprechen hier vom Jahr 2019… Kam aber nie dazu, weil dann doch alles wieder scheiße war. Außerdem fand ich den Titel zwar klasse, aber irgendwie wusste ich gar nicht, wie ich den dann im Podcast aussprechen soll, damit klar wird, wo der Witz dahinter ist.

Go! Go! 2020!

Na ja, dann halt 2020, mit irgendeinem anderen Namen und einem anderen Schwerpunkt. Ein paar Ideen hatte ich ja schon (ein Muster wird erkenntlich). War auch alles ganz cool und dann aber irgendwie doch nicht. War wieder der gleiche Kram wie vorher auch. Aber ich war erst noch sehr motiviert:

Natürlich war dann nichts fertig, alles irgendwie doof und musste nochmal überdacht werden. Irgendwann habe ich dann den Blickwinkel verändert. Warum soll ich nicht einfach darüber schreiben, was mich bewegt und beschäftigt? Und das ist das Schreiben und Veröffentlichen. Also habe ich angefangen, darüber zu schreiben. Und es lief besser.

Ich hatte immer schon überlegt, ob ich nicht mal irgendwann beruflich "was mit Schreiben" machen soll. Ich habe früh gebloggt (etwas ernsthafter ab 1999) und früh gepodcastet (2001), war bei der Gründung eines Jugendmagazins beteiligt. Aber auch genauso nerdig unterwegs und begeistert von all dem Zeug, das man mit Computern machen konnte, besonders, wenn man selber programmieren kann! Also habe ich das gelernt.

Meine Zivildienst habe ich auf einer größeren Intensivstation gemacht. Da schon mit dem Hintergedanken vielleicht mal irgendwas mit Journalismus zu machen. Eigentlich wollte ich als Zivi etwas ganz anderes machen, aber diese Station war gut für mich. Sie hat mich zum einen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und sie hat mir einen Gedanken eingepflanzt:

Da draußen passieren so viele Schicksale, da gibt es so viele Geschichten zu erzählen! Ich kann doch nicht nur vor mich hinprogrammieren, man muss doch diese Geschichten erzählen!

Also habe ich mein Abi nachgemacht, um Journalist zu werden. Kam dann alles anders, ist aber eine andere Geschichte. Aber der Drang, Geschichten zu erzählen war vorhanden und nahm auch nicht ab.

Beim Planen dieses neuen Podcasts bemerkte ich plötzlich wieder, wie viel Spaß es mir macht, über das Schreiben nachzudenken, über das Veröffentlichen, über Medien. Endlich hatte ich das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein. Irgendwann war dann auch ein Name gefunden:

Erzählen

Ich muss jetzt vorsichtig sein, auf keinen Fall durfte ich wieder in diese Falle tappen. Ich durfte nicht mehr so streng mit mir sein, nicht alle Texte müssen perfekt sein.

Ich habe ein Notizbuch nur für diesen Podcast und mein Blog und alle paar Seiten finden sich Reminder dieser Art.

Es hat aber noch eine Weile gedauert, bis der Groschen entgültig gefallen ist. Von der ersten Folge gibt es etliche Varianten, manchmal sogar schon vertont. Aber sie haben nicht gepasst. Sie klangen irgendwie wieder so Oberlehrerhaft oder theatralisch. Das ging nicht.

Irgendwann hörte ich einen Beitrag vom New Yorker, einige der Beiträge auf der Webseite kann man sich vorlesen lassen. Im Grunde war es eine Dokumenation eines Treffens mit mehreren Personen, aus einer bestimmten Perspektive erzählt.

Ich fand das sehr gut zu hören. Also habe ich mich gefragt, warum ich mir das Leben so schwer mache. Warum ich mir nicht die Freiheit nehme, die ich als Erzähler doch habe (Erzähler, nicht Journalist).

Ab dem Moment habe ich mir erlaubt, meine Texte auszuschmücken, Perspektiven zu wechseln, das ein oder anderen Detail wegzulassen oder hinzuzufügen. Schließlich schreibe ich keine detailgetreue Reportage, sondern eine Erzählung, etwas das unterhalten soll. Natürlich soll die transportierte "Message" stimmen, aber sie muss nicht 1:1 so passiert sein.

Damit war Erzählen geboren. Mein neuer Podcast, in dem ich mir alle Freiheiten lasse, die mir zugute kommen.

Im Menü auf der rechten Seite, findest Du übrigens weitere Varianten der Podcastfolge. Das sind die Varianten und Versuche, die ich verworfen habe. Viel Spaß beim Kopfschütteln und Schmunzeln.

Die Hintergrundmusik in dieser Folge stammt von STURM, aus Miniatures of Silence #Zwei https://sturmmusic.bandcamp.com/



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