Es kann nur einen geben!
Green Day gibt es nur einmal. Niemand würde auf die Idee kommen, eine Band mit dem Namen Green Day zu gründen – oder würde es schnell wieder lassen. Aber bei unbekannteren Bands gibt es immer wieder Namenskollisionen und das ist ein Problem auf Streamingdiensten.
Als wir unsere Band vor 25 Jahren neugründeten, gaben wir ihr den Namen "Division By Zero". Warum, weiß ich nicht mehr. Wir spielten in Hamburg und drumherum Konzerte und brachten ein Album auf CD raus1. Spotify und Co. waren noch weit weg.
Ein paar Jahre später gründete sich in Polen eine Band, ebenfalls mit dem Namen "Division By Zero", spielten ebenfalls live und brachten CDs heraus. Erfolgreicher als wir. Wenn man also nach einer Band mit diesem Namen suchte, fand man schnell viel von ihnen und wenig von uns.
Sie hatten uns den Namen weggeschnappt und davon vermutlich nicht einmal etwas mitbekommen. Wir änderten aus Gründen die Besetzung der Band und das war dann ein guter Zeitpunkt für einen neuen Namen.
Mitbekommen haben das damals nur die paar Leute, die uns kannten. Eigentlich also kein großes Ding.
Heute heißen wir nicht nur anders, die Musikwelt hat sich zudem stark verändert. Musik wird gestreamt, ein paar Nerds, wie ich, kaufen sich wieder Schallplatten.
Wenn wir heute eine Single, eine EP oder ein Album veröffentlichen, dann können wir dieses binnen weniger Tage digital verbreiten. Bei Spotify, Tidal, Apple Music und Co.
Das macht entweder das Label der Band, oder die Band selbst. Wir sind bei einem kleinen Label, dennoch kümmern wir uns ebenfalls um die Distribution.
Wenn man vor ein paar Jahren Musik auf den Streamingdiensten verfügbar machen wollte, war der einzige Weg ein Label. Nur diese hatten die Möglichkeit, Musik hochzuladen. Heute gibt es zahlreiche Dienste.
Gegen eine jährliche Gebühr kann ich nun munter Musik hochladen und binnen weniger Tage ist sie online verfügbar.
Bei den Streamingdiensten gibt es nur eine Band namens Green Day. Es gibt nur eine Band namens Divison By Zero. Und auch uns gibt es nur einmal. Theoretisch.
Der Service, den wir nutzen, nimmt das alles sehr genau. Er kümmert sich um korrekte Daten, verpflichtet zur Kennzeichnung von KI-Musik und ermahnt die Künstlerinnen, wenn es aussieht, als gäbe es Fake-Streams. Aber nicht alle Dienste sind so.
Wir proben in einem ehemaligen Hochbunker in Hamburg. Ein legendärer Bunker, in dem schon Tocotronic, Olli Schulz und andere Hamburger Größen geprobt haben. Das ist nicht ganz günstig, weshalb wir uns den Raum mit befreundeten Bands teilen. Eine davon heißt SPATZ.
SPATZ hat letztes Jahr eine EP herausgebracht, die ich bei Tidal sofort angehört und mit einem Herz versehen habe. Auch der Band folge ich dort seitdem.
Kürzlich überraschte die Band mich mit drei neuen Singles und einem neuen Album. Sie hatten gar nichts davon erzählt, wunderte ich mich. Ziemlich ausgefallenes Artwork. Merkwürdig.

Vor einigen Jahren habe ich die Band ABAY für mich entdeckt. Ich habe ein Talent dafür, Bands zu finden, wenn sie sich entweder gerade aufgelöst haben oder im Begriff sind, sich aufzulösen. So auch ABAY.
Umso mehr freute ich mich über eine plötzliche Neuveröffentlichung. Die nach Klick auf Play doch sehr gewöhnungsbedürftig klingt.

Weder SPATZ noch ABAY (ich scheine Bands mit Großbuchstaben zu mögen) sind in diesem Fall wirklich SPATZ und ABAY.
Bei SPATZ bin ich mir nicht einmal sicher, wie weit das AI ist, die Cover sehen auf jeden Fall danach aus. Das Problem ist aber ein anderes: der Name.
Wenn ich als Künstler einen solchen Dienst buche, gebe ich dort meinen Künstlernamen an. Wenn der Dienst hauptsächlich damit beschäftigt ist, Geld zu verdienen, und nicht zu prüfen, was die User da eigentlich machen, dann kann ich eingeben, was ich will.
Weil es für die Streamingdienste eine Band nur einmal geben kann, könnte ich mir also einen beliebigen, existierenden Bandnamen geben und das Profil der Band exploiten.
Ich will bei beiden Beispielen niemandem etwas Böses unterstellen, sicherlich kannten die Künstlerinnen einander gar nicht. Aber ein Problem sehe ich schon.
Obwohl ich als Künstler bei Spotify (und anderen Diensten) eine eindeutige Künstler-ID bekomme, gibt es nur ein Profil für den Bandnamen. In diesem Profil werden alle Veröffentlichungen zusammengeführt, auch wenn es sich um zwei verschiedene Bands handelt.
Für Künstler ist das natürlich Mist. Im schlimmsten Fall verlieren sie Hörerinnen, weil diese die vermeintlich neue, so andere Musik nicht mehr mögen. Bei SPATZ sorgt die Menge der Neuveröffentlichungen der anderen Künstler dafür, dass ihre EP untergeht.
Die Lösung wären verschiedene Profile für Bands mit gleichen Namen. Unterschiedliche IDs haben sie ja vermeintlich.
Bis dahin könnte ich unsere Band nun einfach in Green Day umbenennen und mal schauen, was dann passiert.
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Mit einem Cover, das jetzt im Nachhinein verdächtig nach Green Day aussah. ↩