Das Metaverse nach Matthew Ball


Die Tagesschau berichtet über das Metaverse, da kann ich nicht widerstehen das zu kommentieren.


Dieser Beitrag bezieht sich auf diesen Tagesschautext:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/metaversum-silicon-valley-internet-101.html

Metaverse, Metaverse, Metaverse

Wenn man einen Begriff nur häufig genug wiederholt, wird er sich durchsetzen.

Ich finde es fast etwas lächerlich, in erste Linie aber heuchlerisch wie gerade über das erhoffte Metaverse gesprochen wird. Das Metaverse solle offen sein, interoperabel und solle nicht aus Monokulturen bestehen, in die man sich mit separaten Accounts einloggen müsse.

Das klingt natürlich ganz, ganz toll!

Man braucht sich aber nur die treibenden Kräfte dahinter anzusehen. Nicht zuletzt Zuckerberg, der Facebook zu einem Metaverse-Unternehmen transformieren will.

Aus seiner Sicht betrachtet, sind diese ganzen Aussagen sehr naheliegend und erstrebenswert.

Fangen wir mal bei der Offenheit des Metaverse an.

Offenes Metaverse

Offen heißt hier natürlich, dass eine Technologie geschaffen wird, auf der andere Unternehmen aufsetzen können. Sei es, indem sie eigene Simulationen beisteuern oder z. B. Items anbieten, die die Benutzer:innen dann kaufen und verwenden können.

Bei einem Unternehmen, dass seine Plattformen über die Jahre immer weiter von außen abgeriegelt hat, APIs beschränkt, RSS-Feeds abgeschafft hat, erwarte ich nicht, dass "offen" heißt, dass diese neue Technologie nach/von außen offen sein wird. Offen wird heißen, es steht allen offen, die Technologie zu nutzen und damit Dinge zu tun. Mich würde es nicht wundern, wenn dazu dann Gebühren anfallen.

Interoperabilität

Klingt ziemlich hochtrabend. Soll bedeuten, dass innerhalb des Metaverse alle Instanzen, Simulationen, oder wie auch immer man das dann nennen wird, Daten miteinander austauschen können.

Klingt natürlich super. Und ist auf den ersten Blick auch logisch. Wenn ich in Simulation A ein Item kaufe, möchte ich das in Simulation B vielleicht auch benutzen können.

Was das aus Sicht von Unternehmen wie Facebook natürlich auch (und ganz besonders heißt): Dass zwischen Benutzerdaten zwischen diesen Simulationen ausgetauscht werden. Ein Schelm, wer daran denkt, dass man damit dann Geld verdienen könnte, Werbung schalten, User tracken und personalisieren könnte.

Solange Unternehmen wie Facebook daran arbeiten und es keinen offenen Standard gibt, der von neutralen Instanzen erstellt wird, heißt für mich Interoperabilität nichts anderes als ein Datenaustausch, um mich als User zu tracken und vermarkten zu können. Wir brauchen uns hier nur ansehen, wie aggressiv das derzeit mit Trackingpixel und Co schon gemacht wird.

Nur noch ein Log-In

Nur noch ein Log-in für alle Simulationen klingt auch erst mal gut, hängt aber stark davon ab, wie das Konstrukt letztlich aussehen wird. Dass ich gesonderte Accounts für Signal und Threema benötige, ist ja mehr als nachvollziehbar. Ich will schließlich verschlüsselte Nachrichten senden und eben gerade nicht, dass andere Dienste auf diese Daten zugreifen können.
Dass jemand wie Zuckerberg das nicht möchte, wundert mich nicht. Die Bestrebungen von Facebook alle Messengerdienste zusammenzuschalten bestehen schon lange.

Man wolle keine Monokulturen schaffen, heißt es, aber ist dem wirklich so? Wäre nicht gerade eine große Monokultur die profitabelste Variante des Metaverse? Ein Unternehmen muss schnell und clever genug sein. Schnell groß werden und dann dafür sorgen, dass man nicht an dessen Technologie vorbeikommt.
Dann mag es innerhalb des Metaverse keine Monokulturen geben, aber das Metaverse selbst ist eine.

Wie zuvor erwähnt, das kann nur verhindert werden, wenn hier technologische und moralische Standards geschaffen werden – unabhängig von großen, profitorientierten Unternehmen.

Ich bleibe skeptisch.