Ich, wie ich gestellt in das Buch gucke, während ich mit meinem Telefon das Foto schieße. Außerdem ist der Titel spiegelverkehrt (einmal mit Profis…)

Heute überraschte mich bei Twitter eine Reaktion auf eine Antwort von mir. Hatte ich da zu schnell reagiert? Hatte die Person den Eindruck zu schnell veröffentlicht zu haben?

Über einen kleinen Umweg bin ich auf einen Satz von Stuckrad-Barre gestoßen: "Das Korrektiv der Verzögerung ist wichtig".

Ich zerknülle dieses unselige Geleier und bin froh, daß ich keine e-mail verschicken kann. Das Korrektiv der Verzögerung ist wichtig. Noch mal eine Nacht drüber schlafen oder einen Tag.

(Benjamin v. Stuckrad-Barre, Soloalbum, S. 76)

Und auch wenn das Buch inzwischen etwas aus der Zeit gefallen wirkt, scheint dieser Satz heute doch wichtiger denn je. Die E-Mail ist heute nicht mehr das Problem, eher Twitter, Instagram und co. Ganz allgemein haben unsere Mobiltelefone, in Kombination mit Push-Nachrichten und Netzwerken, uns dazu erzogen, zu reagieren. Schnell zu reagieren. Möglichst sofort. Alles ist dringend, es gilt alles zu kommentieren, zu bewerten, sofort einzuordnen in "gut" oder "schlecht". Dazwischen gibt es wenig Raum. Das mag an unserer Zeit liegen, in der wir von einem Extrem ins andere zu taumeln scheinen. Aber, ich glaube, da bedingt Eins das Andere.

Und weil das Teilnehmen an so Vielem, so einfach und schnell geworden ist, nutzen wir jede Gelegenheit zu reagieren. Ich weiß nicht, wie viele Tweets und Replies ich dieses Jahr schon gelöscht habe, aber es waren einige. Manchal direkt nach dem Abschicken, wenn dann der Gedanke aufflammte, dass diese Antwort jetzt doch vermutlich nichts bringen wird - außer Öl ins Feuer zu gießen.

Die ständige Verfügbarkeit des Netzes und der Netze hat uns das "Korrektiv der Verzögerung" genommen. Technologisch betrachtet, existiert es nicht mehr. Wir müssten es uns wohl erst antrainieren. Ich könnte jetzt hier sinnieren, wie uns Technologie dabei helfen könnte, halte das aber für utopisch, keines der Plattformunternehmen will uns davon abhalten, etwas schnell zu veröffentlichen - im Gegenteil.

Ich weiß gar nicht so recht, worauf ich hinaus will und wie ich hier einen Abschluss finde. Irgendwie blieb dieser Satz hängen und ich wollte ihn hier teilen… Bleibt gesund, passt auf euch auf und schlaft noch mal ne Nacht drüber.

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