Memories of Heidelberg

In diesem Buch richtet Heinz Strunk unsere Aufmerksamkeit auf ein Ehepaar, welches sich gerade (der Familie wegen) in einem Hotel in Heidelberg einquartiert hat. Man ahnt schnell, so richtig gut läuft es bei den beiden nicht, und dann gewährt uns Strunk unangenehm tiefe Einblicke.

Heinz Strunk kann einfach richtig gut Figuren beschreiben und dabei so richtig unangenehm ins Detail gehen. Wir begleiten besagtes Ehepaar während ihrer Zeit in Heidelberg. Als Hauptfigur begleiten wir den Ehemann, der eine Abhängigkeit von überzuckerten Mandelsüßigkeiten pflegt und auch sonst dem Essen, oder vielmehr dem Vertilgen, nicht ganz abgeneigt ist.

Die Geschichte spielt zu einem großen Teil auf einem Restaurantschiff und im Hotelzimmer. Vor unseren Augen entfaltet sich der Abgrund einer langen Ehe, in der beide Partner sich schon lange nicht mehr wirklich leiden können, sich gehen und sich immer wieder gegenseitig eine unterschwellige Verachtung spüren lassen. Die Figuren um die beiden herum, fachen diese Verachtung immer wieder neu an und die beiden scheinen das nicht zu bemerken.

Wie gewohnt werden die beiden so ehrlich wie unangenehm detailreich beschrieben und wir dürfen ihnen dabei zusehen, wie sie eine toxische Beziehung führen, die schließlich zu einer absoluten und dennoch unerwarteten Eskalation führt.

Der Roman ist ein wenig wie jemand, der rücklings in eine Matsch-Pfütze fällt und dem man eigentlich helfen müsste, aber man bleibt doch im Trockenen sitzen und schaut dabei zu, wie die Person immer wieder aufzustehen versucht und daran wiederholt scheitert.

Wer Heinz Strunks Art, Figuren zu beschreiben, mag, wird hier auf seine Kosten kommen.

ISBN: 978-3-498-00974-8 rowohlt
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Maurice meint:

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