Vor ein paar Tagen, am 19. August, wurde die Ursache für millionen gleichaussehender Webseiten gefeiert. Bootstrap wurde zehn Jahre alt. Bootstrap? Hä?

Ich weiß noch, wie toll ich es damals fand, als Twitter Bootstrap veröffentlichte. Bootstrap gilt es englisch auszusprechen, es hat keinen nautischen Bezug, wenn man man davon absieht, dass wir heute täglich über Bootstrap-Webseiten surfen. Nein, Bootstrap ist ein Framework, ein Design-Framework. Irgendwie so etwas. Das heißt, es liefert einer Webdesignerin oder -entwicklerin einen Rahmen, auf dem sie aufbauen kann. Sie kann das Framework nutzen und sich sicher sein, Buttons sehen immer gleich aus, Formulare sind bereits gestyled und wenn ich mich nicht sonderlich doof anstelle, funktioniert meine Webseite mobil wie auf dem Desktop einigermaßen gut.

Das ist eine gute Sache und deshalb freute ich mich damals auch. Ich bin seit der ersten Version "dabei". Dabei heißt: Ich habe es immer wieder bei Webseiten benutzt. Es machte und macht Vieles leichter. Das dachten sich auch schnell viele andere Entwickler:innen und haben angefangen alle ihre Webseiten mit Bootstrap zu bauen.

Erst waren es nur die eigenen Seiten, dann stellten wir Webworker aber fest, dass wir damit ja verdammt schnell sind und vielleicht auf diesem Weg Geld verdienen könnten. Wir fingen an WordPress-Themes zu bauen, die sich ein wenig in Farbe und Aufbau unterschieden, aber alle eindeutig auf Bootstrap basierten.

Denn eines muss man sagen: Entscheiden wir uns für so ein Framework, dann können wir es zwar individualisieren, aber wenn wir nicht sehr viel Zeit investieren, wird der Fußabdruck des Frameworks erkennbar bleiben. Die meisten Theme-Entwickler:innen haben nicht so viel Zeit und deshalb konnte man beim Durchstöbern von WordPress-Theme-Verzeichnissen viele Themes sehen, die alle irgendwie gleich aussahen.

Diese Themes waren nicht selten kostenlos und verbreiteten sich entsprechend schnell. Auch Agenturen griffen gerne auf Bootstrap zurück. Heute ist das Framework meist schon direkt gesetzt. Man kennt es, man kann schnell damit arbeiten, warum also nicht?

Die Auswirkungen sind schnell ersichtlich. Kennt man sich ein bisschen aus, sieht man schnell, ob eine Seite mit Bootstrap gebaut ist und so überkommt einem oft das Gefühl, dass alle Webseiten irgendwie gleich aussehen. Selbst Seiten, die nicht mit Bootstrap gebaut sind, sehen teilweise wie Bootstrap aus, denn man richtet sich beim Design gerne nach Seiten, die gut funktionieren.

Gerade im kleineren und privaten Rahmen hat das negative Auswirkungen - finde ich. Wie viel Liebe früher in der eigenen Seite steckte! Hier hat man was gebastelt und dort was ausprobiert. Ja, es flackerte oft, ja manchmal wollte man direkt den Browser wieder schließen, aber irgendwie hatte Vieles doch Charme. Heute nicht mehr. Oder nur noch selten. Denn Charme konnte sich nicht durchsetzen, Bootstrap schon.

Trotzdem: Alles Gute zum Geburtstag, Bootstrap. Du hast vielen von uns geholfen, mir auf jeden Fall. Leider hast du aber das Web auch ein bisschen langweiliger gemacht. Konntest du ja nicht ahnen. Ich finde es trotzdem gut, dass es dich gibt, aber vielleicht hältst du dich künftig ein kleines bisschen zurück und lässt anderen ein bisschen mehr SPIELRaum? Danke, feier schön!

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