paper plane

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Als ich in der achten oder neunten Klasse war, musste ich ein Schulpraktikum machen. Weil ich Computer toll fand und vielleicht was mit Webdesign machen wollte, habe ich mich bei einem Hoster und Provider hier um die Ecke beworben und wurde genommen.

Dort arbeitete man mit einem System, von dem ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte: Unix. Genauer gesagt, saß dort jeder an einer Solaris Workstation. So auch ich. Ich war ganz begeistert von dem System. Es war so anders als das mir bekannte Windows und AMIGA OS. Ich fragte also bei meinen neuen Kollegen nach, ob ich sowas denn auch zuhause benutzen könnte und fiel fast vom Stuhl, als man mir sagte, was so ein Unixsystem kosten würde. Aber ein Kollege erzählte mir etwas von einem recht neuen, ähnlichen System: Linux.

Wie es der Zufall so wollte, ging ich dann im Laufe des Praktikums mittags mal in die Zeitschriftenabteilung bei Karstadt und dort - das konnte doch nicht sein! - fiel mir ein PC-Magazin ins Auge. Mit einer Linux-CD! Direkt gekauft.

Danach sollte mich Linux fortlaufend begleiten.

Zu der Zeit hatte ich noch keinen eigenen Computer und nutze den Rechner von meinem Vater mit, der damals ganz modern sogar SCSI-Laufwerke und so Späße hatte. Was für Linux damals noch ein Problem war und viel Extra-Arbeit bedeutete. Ich saß also irgendwann vorm Rechner und bastelte mir meine eigene Linuxkernelkonfiguration zusammen und zerschoss ein paar Mal den Rechner meines Vaters. Der Arme hatte ganz schön unter meinen Versuchen zu leiden, bemerke ich jetzt so im Nachhinein. Vielleicht ein Grund, warum ich irgendann einen eigenen Rechner bekam…

Mit meinem Wissen über Linux wuchs auch meine Beigsterung. Ich startete Linux4us. Eine Linux-Website, die ziemlich gut ankam. Ich wurde Teil von RadioTux, einen der ersten Podcasts. Wir hatten sogar eigene IRC-Server am Start. Bei mir drehte sich alles um Linux. Auf dem Server und auch auf meinem Desktop-Rechner. Ich liebte es, alles individualisieren zu können.

Irgendwann aber kam der Punkt, da fehlte mir zunehmend die Zeit, mich so intensiv um mein Betriebssystem zu kümmern. Es musste funktionieren. Das geht natürlich mit Linux auch super. Aber dann fehlten immer mehr Programme, die ich brauchte. Sowas wie Cubase für die Aufnahmen meiner Band. Photoshop für die Webdesigns, die ich umsetzen musste.

Schließlich zeigte mir Steffen seinen neuen Mac und ich war hin und weg. Das System sah nicht nur hammermäßig gut aus, sondern bot mir auch noch das geliebte Terminal! Sobald die Kohle da war, kaufte ich mir meinen ersten Mac, das erste Intel MacBook. Seitdem arbeite ich nur noch mit Apple-Hardware. Zumindest auf dem Desktop.

Auf den Servern, auf denen ich unterwegs bin, läuft weiterhin Linux. Docker-Images? Linux. Mobiltelefon? Linux (sort of). Und immer wieder schaue ich, was sich denn auf dem Desktop so in Sachen Linux tut. Freue mich drüber, dass auch hier so viel Entwicklung stattfindet. Sollte ich irgendwann doch nochmal wieder weg von Mac OS gehen, ist Linux sicherlich die erste Option.

Ohne Linux und OpenSource wäre mir der Berufseinstieg auf jeden Fall sehr sehr viel schwerer gefallen. Ein großes Dankeschön geht deshalb an Linus Torvalds, der vor 30 Jahren die erste Linux-Version veröffentlichte, die unsere Internetwelt so sehr prägt. Danke.

Das war es für diese Woche.

Bis bald!
Maurice