In dieser dritten Version habe ich versucht, etwas verspielter zu sein. Aber auch hier sehr viele "Ichs". Der Versuch war, etwas lockerer zu klingen, etwas nerdiger. War mir dann aber zu selbstbezogen.

Was bisher geschah…

Urzeitblogger

Die Überlieferungen sind ungenau, aber wir schreiben in etwa das Jahr 1998. Etwas Unglaubliches ist passiert: Ich habe rausgefunden, dass es Anbieter gibt, die einen Megabyte Onlinespeicher kostenlos anbieten!

Whoooooot?

Und weil mir das Schreiben von HTML noch unnötig kompliziert vorkam, entschloss ich mich, den Netscape Composer zu verwenden, um meine erste Webseite online zu stellen. Die bestand im Grunde nur aus Nachrichten an eine Handvoll Schulkameraden. Mein erstes Blog!

Fast forward ins Jahr 2001. 2001! Fast alles war möglich! Ich sag nur ISDN-Kanalbündelung! Inzwischen hatte ich mich intensiver mit Webseiten und grundlegenden Programmiersprachen beschäftigt. Und so ging irgendwann um das Jahr 2000 herum meine Newsseite zum Thema Linux online. Linux4us.de Im Jahr 2001 sollte sie sich mit RadioTux zusammentun. Die machten etwas Skurriles, Neues, Nerdiges und nannten es Radio-On-Demand. Ein Linux-Radio und ich machte mit.

Kurz vorgespult, 2005, Radio-On-Demand hieß inzwischen Podcast und mein Kumpel Steffen und ich machten auch einen. Über Hamburg, dann mal zwischenzeitlich über Technik, dann aber doch wieder über Hamburg. Elbrauschen. Parallel dazu probierte ich mich journalistisch aus, beim Hamburger Jugendmagazin Freihafen und in diversen Blogs. Ging so.

Kaum waren 10 Jahre vergangen, starte ich einen neuen Podcast: Hack Your Business.

Hack Your Business

Wir hatten gerade unser Startup verkauft und ich hatte auf einmal wieder mehr Zeit für eigene Dinge und schon länger wieder Lust auf einen Podcast. In Hack Your Business nahm ich meine Erfahrungen der letzten Jahre als selbstständiger Webentwickler und Startup-Mitgründer als Grundlage und strikte einen Podcast daraus.

Die Themen flogen mir regelrecht zu. Ich plante Beiträge Monate im Voraus und veröffentlichte jede Woche mindestens drei davon. Im Blog, Im Podcast und als Newsletter.

Dann kam die Zeit, da flogen mir die Idee nicht mehr so zu. Bis sie schließlich ganz ausblieben.

Für jemanden, der gerne schreibt und veröffentlicht - und um ehrlich zu sein, auch gerne gelesen und gehört werden möchte - ist ein leerer Screen etwas sehr Beunruhigendes.

Und der Cursor ist geduldig, er blinkt und blinkt. Manchmal, wenn ich lange genug auf den Bildschirm starrte, meinte ich ihn sogar zu hören. Wie ein dumpfes Pochen, ein unnatürlich gleichförmiger Herzschlag.

Cursorsound

Meine Finger ruhten auf dem A und Ö der Tastatur, wie ich es in der Schule beim 10-Finger-Kurs gelernt hatte. „Verbindung unterbrochen“, meldete mein Betriebsystem, als die Bluetooth-Tastatur sich wegen Inaktivität automatisch abschaltete.

Meine Verbindung war auch unterbrochen. Die Verbindung zu meinen gewählten Themen.

Cut

Okay, hier muss ich mal kurz eingreifen… Das hier ist ja auch ein Podcast übers Erzählen. Und da darf dann ja auch Kritik angebracht sein und ich mir mal selber ins Wort fallen.
Ich denke, an dieser Stelle sollte ich vorsichtig sein, dass ich nicht zu melodramatisch werde. Das ist mir in der Vergangenheit schon häufiger passiert, besonders bei diesem Text, der jetzt in der vierten Version vorliegt.
Dieses Melodrama gefällt mir dann beim Schreiben sehr gut, weil ich mich erfolgreich in diese Stimmung reinmanövriert habe. Aber ein paar Tage später, beim Gegenlesen… Da nervt es mich dann tierisch.
Also keiner Moduswechsel.

Okay. Ich hätte an der Stelle einfach mit dem Podcasten aufhören können. Aber da ich nun mal gerne schreibe und an Podcasts werkele, war das keine richtige Option. Ich habe mich zusammengerissen und wieder angefangen zu planen. Ich habe Post-It um Post-It mit neuen Ideen für den Podcast gefüllt. Ich habe Stichpunkte formuliert, habe das Konzept ein bisschen angepasst, Outlines geschrieben. Outlines zu Texten ausgearbeitet. Und dann den ganzen Kram wieder abgebrochen.

Irgendwas stimmte nicht, die Texte waren zwar da, aber sie waren nicht echt. Sie waren geschrieben, weil ich vermutet hatte, dass sie so wahrscheinlich ganz gut funktionieren würden, nicht weil mich die Inhalte besonders interessiert haben.

Also saß ich wieder vorm weißen Screen und schaute dem Cursor zu.

Cursorsound

Ich wiederholte diesen Vorgang ein paar mal. Hatte Ideen für neue Podcasts und lange Listen mit möglichen Folgen. Ich fing wieder an Outlines zu schreiben, Folgen daraus zu machen. Abzubrechen.

Cursorsound

So funktionierte das einfach nicht. Ich wiederholte mich ständig. Ich dachte, ich würde mir neue Dinge ausdenken, aber landete immer wieder in alten Mustern bei alten Themen.

Ich schrieb Notizbücher voller Ideen. Alles der selbe Mist…

Und nun sitze ich hier. Mit vier halbfertigen Staffeln für zwei Podcasts, grob durchgezählt 52 nie vollendeten Beiträge und Notizbüchern voll mit Texten.

Warum sollte diesmal alles anders sein? Weil ich mir erlaubt habe, zu scheitern, mäßig zu sein, irrelevant. Ich werde hier nicht auftreten und so tun, als wüsste ich alles. Wir werden Dinge zusammen entdecken. Und ich nehme mir die Freiheit, in diesem Podcast alles zu tun, was ich möchte. Zu erzählen, wie es mir gerade passt, auch wenn andere das anders tun oder sogar davon abraten würden.

Dieser Podcast ist ein Erzählexperiment. Ich hoffe, einige Folgen werden gut gelingen. Ich bin mir sicher, einige Folgen werden nicht funktionieren. Aber nur mit der Erlaubnis aus Mustern auszubrechen und daran scheitern zu können, kann das hier funktionieren. Das gilt sowohl für die Form als auch für die Inhalte.

Das hier ist mein Neuanfang! Mein zweites 1998! Jetzt wird alles gut! Jetzt wird alles anders! Ich werde mich hinsetzen und ich werde neue Texte schreiben und ich werde sie veröffentlichen!

Cursorsound

Genereller Hinweis auf die Shotnotes und Abos



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