Storytelling auf Abwegen

Storytelling auf Abwegen

Als ich mich dazu entschloss, Journalist zu werden und mir in Vorbereitung während des Abis entsprechende Bücher holte, lernte ich, dass bestimmte Arten zu schreiben, bestimmte Zwecke erfüllen. Und dann sollte ich das alles vergessen.

Ich war drauf und dran Journalist zu werden, ich war sogar Mitgründer eines Hamburger Jugendmagazins, mit damals immerhin einer Auflage von 20.000 Exemplaren. Ich lernte, wie klassische Nachrichtenartikel aufgebaut sind, wie man eine Kolumne schreibt, wie man Leute in seinen Text zieht und sie von Absatz zu Absatz lockt.

Und dann sollte ich das alles vergessen.

Dann kamen die Werbetexter und übernahmen das Wort, im wahrsten Sinne… Sie ploppten in Form von Content Marketing Experten auf, als Copywriter und sie eroberten schnell die Online-Welt.

Werbetexter sind schlaue Leute. Sie haben eine Sprache entwickelt, die sich stark an der englischen Sprache orientiert, kurz, auf den Punkt und immer mit dem klaren Ziel etwas zu verkaufen.

Und so sollten wir dann auch bloggen, damit die Besucher unsere Texte lesen. Kurze Hauptsätze, auf den Punkt gebracht, schnörkellos und mit dem klaren Ziel, dass am Ende des Textes auf ein Call To Action reagiert wird.

Was das zur Folge hat, sieht man überall. Besonders gut übrigens in Blogs, die sich im Business-Sektor aufgestellt haben: Wir lesen nur noch von X Dingen, die man tun muss, um Y zu erreichen. List-Posts sind unglaublich beliebt. Weil diese Art Artikel leichte Lektüre versprechen, weil die Überschriften mit einer leichten Lösung für gängige Probleme locken, außerdem „habe ich bei Punkt vier fast weinen müssen.“

Das große aktuelle Stichwort lautet „Storytelling“. Erzähle eine Geschichte, erzähle deine Geschichte! So preisen es uns die Platzhirsche an. Und eine Woche später empfehlen sie uns wieder die sieben Blogposts, die jeder im Handumdrehen schreiben kann. Und da sind sie dann wieder, die beliebten List-Posts und anderen üblichen Verdächtigen.

Was hat das mit Storytelling zu tun? Nichts. Gar nichts!

Ich habe lange überlegt, wie ich mich ein bisschen von all den anderen Blogs und Webseiten abgrenzen kann, die ihre Business-Tipps in die Welt hinaustragen. Die Antwort hatte ich schon länger parat: Storytelling. Mir war nur nie wirklich klar, wie ich das anstellen sollte.

Am Wochenende kam mir dann die Idee. Ich werde mich wieder ein bisschen mehr auf meine alten Zeiten zurück besinnen. Das alte Journalistenwissen raus kramen. Und ich habe noch ein paar kleine Überraschungen im Petto! Aber dazu später mehr ;)

Die Veränderungen werden sich zunächst im Blog auswirken. Es wird weiterhin Auflistungen von Tools geben, aber eben gut gemischt mit guten Geschichten.
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Dieser Text erschien ursprünglich in meinem Newsletter und wurde hier schamlos zweitverwertet.

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